Konzept

Liebe Freunde des Rudolstädter Theaters,
dass wir alle mit jedem Augenblick älter werden, ist ein Allgemeinplatz.
(Während Sie diese Zeilen lesen, verstreichen weitere wertvolle Sekunden Ihres Lebens.) Dass auch unsere Gesellschaft immer älter wird, ist inzwischen eine anerkannte Tatsache. Im Jahr 2030 wird jeder vierte Bürger des Landes im Rentenalter sein. Hinter der trockenen Statistik verbergen sich sehr reale und erlebbare Fakten. Zum Beispiel wird der Schreiber dieser Zeilen zu dem genannten Personenkreis zählen, gesetzt den Fall, er bleibt gesund und das Renten­eintrittsalter für Männer wird nicht weiter erhöht.
Wie kommt die Gesellschaft mit dem Senioren-Boom zurecht? Ist sie darauf vorbereitet oder reden wir nur andauernd davon? Gibt es Entwürfe für eine zukünftige Gesellschaft des langen Lebens? Welche Möglichkeiten bieten sich den Menschen, welche kulturellen, kommunikativen, infrastrukturellen, pädagogischen, touristischen, medizinischen und städteplanerischen Angebote werden gemacht?
Man kann getrost behaupten, dass uns auch auf diesem Gebiet die kollektive Fantasie nicht eben mit Ideen überfordert. Die Politik ist derart mit Krisenmanagement beschäftigt, dass ihr für Alternativen und Entwürfe die Zeit, die Mittel, der Mut und das ethische Gerüst fehlen. Die Kunst – angesiedelt im unpragmatischen Reich der Freiheit – hat das Privileg zu träumen, ohne auf alle irdischen Zwänge Rücksicht zu nehmen.
 
Dieses Vorrecht ernst nehmend, haben wir das 1. Thüringer Theaterfestival 60plus ins Leben gerufen. Der Name RUHESTÖRUNG soll durchaus programmatisch verstanden werden. Das Leben nach dem Berufsleben sollte erfüllt sein von Aktivität, Gemeinschaft und neuen Herausforderungen. Theater und Kunst bieten hier viele Möglichkeiten.
Vom 29. September bis zum 2. Oktober 2011 stehen die verschiedenen Spielstätten unseres Theaters für Gastspiele aus nah und fern zur Verfügung. Sie sehen Amateurtheatergruppen und professionelle Ensembles, die sich auf sehr verschiedene Weise dem Thema Alter und Älterwerden nähern. Im Vorfeld des Festivals zeigen wir eine Auswahl von nationalen und internationalen Spielfilmen, die sich dem Thema stellten. Eine interdisziplinäre Konferenz wird während des Festivals die kulturellen und sozialen Fragen des demografischen Wandels beleuchten. Aber vor allem, werden Sie die Gelegenheit haben, viel Theater zu erleben. Freuen Sie sich mit uns auf ungewöhnliche, berührende und anregende Inszenierungen und Gespräche mit den Künstlern.

So wie es eigentlich kein schlechtes Wetter gibt, sollte es eigentlich auch kein schlechtes Lebensalter geben. Also, bleiben Sie schön jung und neugierig und sichern Sie sich frühzeitig günstige Plätze.

Ihr
Steffen Mensching
Intendant und Geschäftsführer
Theater Rudolstadt