ENTFALTUNGEN. Gänge
durchs Gedächtnis
Warum bin ich der geworden, der ich bin? Was bleibt übrig von meiner Biografie? Welche meiner Erfahrungen sind wichtig für die Gegenwart? Wie kann ich mich als älterer Mensch einbringen in eine schnelllebige Gesellschaft? »ENTFALTUNGEN. Gänge durchs Gedächtnis« ist ein Theaterprojekt, das seit Februar 2011 mit sechzehn Akteuren im Alter von 60 aufwärts am Theater Rudolstadt erarbeitet wird. Alle kommen aus Rudolstadt bzw. der näheren Umgebung. »Entfalten« meint, etwas sichtbar machen, was verborgen zwischen den Falten liegt, eingelagert in den weitverzweigten Windungen des Gehirns und der Zeit. Die »Gänge durchs Gedächtnis« führen die Zuschauer in die Station des einstigen Rudolstädter Krankenhauses. Wie in einem Museum befinden sich in den Räumen überall Dekorationen und persönliche Notizen, Vorschriftstafeln und verstaubte Bücher. Dahinein ziehen die Darsteller mit eigenen Erinnerungen. Sie richten die Zimmer her und beleben sie mit Gesten und Bewegungen. Im ersten Teil der Aufführung können die Zuschauer umherwandeln, die vereinzelten Akteure in ihren Räumen beobachten und den Geschichten zuhören. Im zweiten Teil dagegen sieht man sich im Speisesaal wieder. Beim Ensemblespiel stellen die Akteure die Grenze zwischen Fiktion und Realität, Aktivität und Passivität, die gesellschaftlich akzeptierten Konstanten wie Jugend und Alter in Frage und entwerfen vielleicht eine gemeinsame Utopie für das neue Altern.
Die Uraufführung wird am 30. September 2011 im Rahmen des 1. Thüringer Theaterfestival 60plus in Rudolstadt stattfinden.
Grusswort von Schirmherrin
Marion Philipp
»Die Zeit verwandelt uns nicht, sie entfaltet uns nur«, äußerte der Schriftsteller Max Frisch. Er erforschte in seinem Werk oftmals prägende Koordinaten seiner eigenen Biografie. Auf die Suche nach Erinnerungen, nach Erlebnissen und Wendepunkten im Leben haben sich seit Beginn des Jahres 2011 auch 16 Bürgerinnen und Bürger fortgeschrittenen Alters aus der Region gemacht.
Sie sind dem Aufruf zu einem außergewöhnlichen Theaterprojekt gefolgt, weil sie etwas von sich preisgeben wollten, waren neugierig und bereit, Neuland zu betreten. Obwohl mindestens um die 60 Jahre alt, sagen sie von sich, zwar älter geworden, aber nicht alt zu sein. Diesen Herbst werden die 10 Frauen und 6 Männer im ehemaligen Rudolstädter Krankenhaus auf der Bühne stehen, die meisten zum ersten Mal.
Sie sind damit in bester Gesellschaft, denn »Entfaltungen. Gänge durchs Gedächtnis« ist nur einer der Beiträge für das 1. Thüringer Theaterfestival 60plus, das unter dem Titel »Ruhestörung« zur Aktivität im Alter aufruft und unsere geliebte Rudolstädter Kleinstadtruhe mit ungewohnten Tönen überraschen wird.
Und so erfahren wir in »Entfaltungen« vor allem von individuellen Lebenswegen, von Träumen, Wünschen, Ängsten und Ansprüchen, die so unterschiedlich sind wie die Menschen selbst.
Ich wünsche den Akteuren und dem Publikum gelungene und vor allem bewegende Aufführungen.
Marion Philipp
Landrätin des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt
Mit freundlicher Unterstützung von: Fonds Heimspiel der Kulturstiftung des Bundes, Thüringen-Kliniken »Georgius Agricola« GmbH , Kunstwerkstatt Rudolstadt e. V.

